Vorstellungskraft entwickeln

Um etwas zu schreiben, benötigt man Vorstellungskraft.
Je klarer und lebhafter die Bilder sind, die man vor dem
inneren Auge sieht, desto überzeugender lässt sich das so
in der Phantasie Erschaffene mitteilen.
Die Fähigkeit, Bilder vor dem inneren Auge zu erschaffen,
oder sich an diese zu erinnern, kann man trainieren.
Zunächst muss man sich im Körper verankern, um den Kontakt
mit der Wirklichkeit nicht zu verlieren. Dazu richtet man
die Aufmerksamkeit wie den Lichtkegel einer Taschenlampe
auf die Fußsohlen und tastet so einmal den ganzen Körper
ab, von den Füßen bis zum Schädeldach.
Hat man auf diese Weise die Verbindung mit dem Körper
gefestigt, stellt man sich eine weiße Leinwand vor, die
sich auf Augenhöhe 1 Meter vom Körper entfernt befindet.
Um die Imaginationsfähigkeit zu entwickeln, beginnt man
am besten mit einfachen Formen.
Eine waagerechte schwarze Linie ist für den Anfang gut
geeignet. Stelle dir vor, dass die horizontal Linie sich
in die Senkrechte dreht, indem der linke Endpunkt nach oben
wandert und der rechte Endpunkt nach unten. Wenn der nun untere
Endpunkt der Linie weiter nach links wandert, hast du wieder
eine horizontale Linie vor deinem inneren Auge.
Lass die Linie sich immer wieder drehen.
Nehme nun andere geometrische Formen als Imaginationsobjekt.
Stelle dir Dreiecke vor, die sich drehen, oder Kreise bzw.
Reifen, die auf einem imaginären Boden entangrollen.
Lass die Objekte in verschiedenen Farben vor dir erscheinen.
Entwickle deine Fähigkeiten weiter, indem du dir dreidimensionale
Formen vorstellst, um die du im Geiste herumläufst wie um ein
Hochhaus oder eine Litfaßsäule.
Das Bewusstsein ist wie ein Auge, das über einer Wasserfläche
schwebt. Das Wasser symbolisiert das Unterbewusstsein, aus dem
Bilder, Gefühle und Gedanken aufsteigen und auf dieses Weise
bewusst werden können.
Du kannst dir vorstellen, dass du am Rande eines Sees auf einer
Bank sitzt und auf die Wasseroberfläche schaust.
Der Wind bewegt die Wasseroberfläche. Regentropfen fallen und so
entsteht Bewegung. Du siehst viele Bilder auf der Wasseroberfläche.
Du erkennst in dem bewegten Wasser menschliche Gestalten, Männer und
Frauen, alte und junge Menschen, Kinder, Erwachsene und Greise.
Konzentriere dich auf eine Person, die du genauer betrachten möchtest.
Wie sieht diese Person aus? Ist es eine Mann oder eine Frau? Wie
alt ist diese Person? Wie ist sie gekleidet? Wo lebt sie? Mit welchen
Menschen hat sie beruflich und privat Kontakt? Welchen Beruf übt sie aus?
Es gibt etwas, das diese Person dringend braucht, etwas, dessen Fehlen sie
als Mangel empfindet. Versuche herauszufinden, was das ist und was die
Person tun würde, um diesen Mangel zu beseitigen.
Beginne dann, dich zu dehnen und zu strecken, öffne die Augen und schreibe
einen Text, in dem du diese Person über ihr Leben befragst und notierst,
was sie sich am meisten wünscht.
*
Wichtig ist auch, die Filterfunktion des Bewusstseins herabzusetzen, damit
die Bilder, die in diesem Prozess aufsteigen können, nicht durch Erwartungen
oder Befürchtungen beeinträchtigt werden.

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