Vom Pferd erzählen, Teil 8

Nachdem Matthi das Kraut ins Feuer geworfen hatte, stellten sie sich im Kreis
auf und atmeten tief ein und aus. Die Flanken einander zugewendet, konnten sie 
die Rippen der anderen sehen, wie sie sich hoben und senkten. Nur Alma weigerte
sich, den Rauch einzuatmen.
"Ich nehme keine Drogen!" stellte sie beharrlich fest.
Stattdessen kaute sie einige der Blätter, was ihre Wirkung aber verstärkte, wie
sie wenige Minuten später feststellte, obwohl sie ihre Erfahrung nicht mit der
der anderen vergleichen konnte.
Alma tauchte als erstes drüben auf. Im wahrsten Sinne des Wortes. Sie hatte glücklicherweise die Luft angehalten, um das Kraut nicht atmen zu müssen. Nun befand sie sich unterhalb des Wasserspiegels in einem See. Sie zischte nach oben wie ein Luftballon, den man unter Wasser gedrückt hatte und schien zum ersten Mal in ihrem Leben das Gefühl zu haben, dass sie die Kontrolle verlor.
Sie landete auf felsigem Untergrund, schürfte sich das Fell auf und begann zu bluten. „Tu pluhtest ja!“ rief Dora, die von oberhalb des Sees einen Pfad heruntergetrampelt kam. Sie ließ ihre raue Zunge über Almas Wunde gleiten und verteilte ihren Speichel über die blutende Stelle.
„Was suchen wir hier eigentlich?“ Hulda kam ängstlich aus dem Gebüsch gehumpelt und sah sich vorsichtig nach allen Seiten um.
„Das hier soll eine Zuflucht sein? Hier sollen wir den Rest unseres Lebens verbringen? Also ich werde hier sicher nicht bleiben.“
Sie folgte dem Pfad, der in den Wald hinein führte, und war schon hinter der nächsten Biegung verschwunden, als Dora und Alma sich entschlossen, ihr zu folgen.
„Ich weiß, was wir suchen!“ sagte Alma. „Wir müssen etwas finden, das den
Tierfressern besser schmeckt als Fleisch. Etwas, das sie süchtig macht und wovon sie gar nicht genug bekommen können.“
Hinter der Biegung stießen sie auf Hulda, die vor einer riesigen Wiese stehengeblieben war.
Auf der Wiese standen spitzblättrige Bäume, an denen braune Früchte hingen.
"Wisst ihr eigentlich, was das ist?" fragte Hulda.
"Muskatnussbäume!" riefen Dora und Alma wie aus einem Mund.
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