Meditation: Oben

Ich versuchte, meine Gedanken zu töten.
Das Denken, das in mir war, nahm mir die Ruhe.
Die Gedanken knallten wie Billardkugeln von innen gegen meinen Schädel
und rollten mit donnerndem Getöse von einer Seite zur anderen.
Keine Gedanken in meinem Kopf, dann wohltuende Ruhe.
Die Gedanken waren mein Feind und rissen mich aus dem Zustand einer wohligen Ganzheit,
in der ich mein Ich nicht mehr spürte, heraus.
Sie stürzten mich in eine Welt, in der mein Ich sich plötzlich
aufblähte und das Leben nur noch eine schmerzhafter Anspannung war.
Dass Gedanken ein Werkzeug sind, um sich besser in der Realität zurechtzufinden,
verstand ich erst später.
Bis dahin versuchte ich, meine Gedanken zum Schweigen zu bringen,
um eine innere Ruhe herzustellen.
Lange Zeit zu schlafen oder mich zu betäuben war für mich ein Mittel,
um in dem Zustand der Gedankenlosigkeit zu verharren.
Heute weiß ich dass es nicht darum geht, den Geist abzutöten oder zu betäuben.
In erfrischender Ruhe den Geist mit Gedanken arbeiten und spielen zu lassen
ist ein sehr bereicherndes Erlebnis. Aber das ist mir heute erst klar.
Ich bin nicht meine Gedanken. Ich nehme wahr, wie meine Gedanken kommen und
gehen – genauso wie mein Atem kommt und geht. Ich halte sie nicht fest.
Ich erzeuge sie nicht absichtlich. Ich muss mich nicht um sie bemühen.
Wenn die Gedanken Wort werden und Schrift, fließen sie auf das Papier
und ich kann sie an die Welt verschenken.

Facebook Like
Posted in Gedanken.