Lob der Wolken

Ich mag es nicht, wenn Wolken welken
und ausgetrocknet dann als Tropfen
an schwarze Wellblechdächer klopfen,
wo sie wie Pergament zerplatzen.

Viel lieber will ich Wolken melken
und mich an ihrem Saft erfrischen.
Es lohnt sich, Wolken aufzutischen
und sich mit ihrem Rand zu kratzen.
Den muss man von den Wolken brechen
und Finger in die Brüche stechen,
aus denen es dann fließt und fließt
und sich über die Welt ergießt.

Ich lobe Wolken für ihr Schweigen,
mit dem sie sich zur Erde neigen.
Ich bin hier unten, sie dort oben.
Deswegen will ich Wolken loben!
Sonst wären sie mir viel zu nah!
Und das – bei aller Liebe: „Bah!“
*

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