Jeden Tag schreiben

Wenn man mit dem Schreiben Fortschritte machen will,
muss man jeden Tag schreiben. Wie jede andere Fähigkeit
kann man so auch das Schreiben trainieren und verbessern.
Es ist manchmal schwer, sich für das Schreiben zu
motivieren, darum darf man keine große Sache daraus
machen. „Wenn ich nicht weiß, was ich tun soll, fange ich
an zu schreiben!“ reicht als Motivation vollkommen aus.
Mit diesem Satz im Hinterkopf ist das Unterbewusstein immer
bereit, loszulegen. Dann setzt man sich hin und schreibt alles
auf, was einem in den Sinn kommt. Es darf ganz belangloses Zeug
sein über den Reis in der Tasse oder wie lecker die Bohnen
geschmeckt haben. Nichts ist zu unwichtig, um es zu notieren.
Die Spinne an der Decke ist genauso interessant wie die
Regentropfen, die der Wind gegen die Hauswand klatscht.
Sobald man beginnt, auszuwählen, das anscheinend Wichtige
vom anscheinend Unwichtigen zu trennen, räumt man der
kritischen Stimme im eigenen Geist zu viel Macht ein. Diese
Stimme ist es, die unser Schreiben behindert, indem sie
versucht, unsere Gedanken in eine bestimmte Richtung zu lenken,
und die Dinge nicht so sein lässt, wie sie nun einmal sind.
So kann das Schreiben der eigenen Selbsterforschung dienen, indem
man nicht-wertend die auf- und absteigenden Gedanken betrachtet.
Ein Tauchgang in das Labyrinth, das sich unter der
Bewusstseinsoberfläche befindet.
Aber es erfordert Mut, sich auf diese Weise mit sich selbst zu
konfrontieren. Doch so zu schreiben ist auch ermutigend, weil
man hinter all den auftauchenden Gedanken plötzlich eine leise,
innere Stimme hört, die nichts verurteilt, was in uns auftaucht
oder entsteht. Eine wachsame, wohlwollende, mütterliche Präsenz.
Und manchmal erkennen wir, dass wir diese innere Stimme sind und
das Schreiben uns hilft, mehr so zu werden, wie wir gemeint sind.

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