Gedichte aus Wasser und Stein

Ein steinerner Text.
Er erstarrt ungerührt
und verharrt streng am Platz, 
weil er gar nichts mehr spürt.
Er kann nur verweilen,
will sich nicht beeilen.
Der flüssige Text
strömt zischend dahin,
schleift Kanten und Ecken,
denn das ist sein Sinn.
Der harte Text knallt lautstark gegen die Wand.
Der weiche dagegen liegt zart in der Hand.
Ein hölzerner Text stöckelt knackend herum,
beugt sich knarrend im Wind
und wird dadurch ganz krumm.
Die gläsernen Texte, aus Angst zu zersplittern,
sieht man auch im Warmen erbarmungslos zittern.
Die Texte aus Wolle
sind warm von Frau Holle.
mit glühender Nadel im Winter gestrickt
und aus Mitleid an zitternde Texte geschickt.
Der knisternde Text aus viel Heu und viel Stroh
macht manche Kuh glücklich und manches Pferd froh.
Texte aus Blech
trompeten echt frech.
Wer duftende Texte aus Blumen probieren
will muss dicht am Boden und auf allen Vieren
zu ihnen hin kriechen.
So wie das Mariechen.
Du darfst, wie sie, den Duft genießen
und schau'n,
wie sie im Frühling sprießen.
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