Ein verschmähtes Gedicht

Dieses von Vielen verschmähte Gedicht
schämt sich für seine Sehnsüchte nicht.
Moralapostel und strenge Beter
wollen es nutzen als Fußabtreter,
indem sie ihm einzureden versuchen,
es hätte auf dieser Welt nichts zu suchen.
Sie behaupten beharrlich,
es wäre sehr schlecht.
Dabei ist es nur echt
und lebt authentisch die wahren Gefühle.
Doch damit gerät es arg zwischen die Stühle.
Von frommen Nonnen drangsaliert,
von guten Bürgern schikaniert,
beginnt es nun, um sich zu wehren,
in allen Ehren,
Moralapostel und Beter zu töten.
Denn das ist vonnöten.
Wer will es denn diesem Gedicht auch verdenken?
Soll es sich verrenken?
Die Hälfte der scheinheilig lächelnden Sippe
stößt es mit Genuss von der zackigen Klippe.
Die anderen tötet es mit einem Messer,
denn die waren, kurz gesagt, auch nicht viel besser.
Nun steht es da, aufrecht, beladen mit Schuld.
Vielleicht hätte ihm ja ein wenig Geduld
doch besser zu Gesicht gestanden
anstatt in diesem Knast zu landen.

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