Ein rundes Gedicht

Sie sind wunderschön, doch ich kann sie nicht malen:
die runden Gebilde in Seifenschaumschalen,
die sich schillernd drehen in wirbelnder Luft.
Aus ihnen verströmt ein betörender Duft,
der Denken verschleiert und Sinne berauscht,
so dass man den Traum mit der Wirklichkeit tauscht.
Im Rausch fängt man an, runde Dinge zu sehen
und selber Spiralen und Kreise zu gehen,
sieht Reifen rollen durch schimmernde Räume,
die laut hallend hüpfen durch taghelle Träume,
hört klackernde Kugeln, die schnell abwärts fallen
und krachend gegen die Holzstufen knallen.
Auf dämpfenden Teppichen kullern sie leise
die Treppe hinunter und rollen im Kreise,
wo alles im Traumball ganz rund wird und bunt,
so dass man vermutet, man wär‘ nicht gesund.
Das kantige Bett – es verliert seine Ecken,
die Ecken des Schrankes – sie spielen Verstecken.
Das eckige Fenster, nun Bullaugen gleich,
rollt mit den Pupillen und mir wird ganz weich.
Das Rad zwischen aufgeregt springenden Bällen
dreht sich jetzt viel schneller, macht wirbelnde Wellen,
die am Traumrand zerschellen.
Wie ich dann am Morgen verwundert erwacht
bin, hab ich mir gedacht:
So wunderbar rund kann sie sein, diese Welt,
wenn man all diese Ecken beiseite stellt,
um nie anzuecken
und aufzuwecken,
was dem Weichen und Runden im Wege steht
und als Eckiges kantige Wege geht.

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