Ein Gedicht wird renitent – Neufassung

Ein Gedicht wird renitent, 
was man gar nicht von ihm kennt. 
Bisher war es immer brav 
und gehorchte wie im Schlaf.
Nun stellt es sich plötzlich stur.
Es fängt an, sich zu beschweren,
und, entgegen der Natur, 
sich gegen den Druck zu wehren, 
tut nicht mehr, was man ihm sagt. 
Hört nur, wie es murrt und klagt! 
Es verweigert das Parieren. 
„Auf Kommando losmarschieren 
fühlt sich nicht mehr richtig an, 
weil ich selbst entscheiden kann!“
So empört es sich entschieden
und versucht, sein Recht zu kriegen!
„Was bewirkte diese Wandlung?
Dieser Wunsch nach Gleichbehandlung
schickt sich für Gedichte nicht!“
schreibt ein Dichter im Bericht.
„Wo führt es denn letztlich hin,
wenn ein Vers voll Eigensinn
über Selbstbestimmung plaudert.
Nein, das darf nicht sein! Mich schaudert!
Auch wenn es jetzt zornig gafft:
Dies Gedicht wird abgeschafft!“

 

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