Ein Gedicht will nicht mehr leben

Ein Gedicht will nicht mehr leben,
ist bereit, sich aufzugeben,
weil man es hier nicht mehr braucht.
Wenn es zu Gott-Vater betet,
der einst seinen Leib geknetet
und ihm Odem eingehaucht,
öffnen sich vielleicht die Türen
und zwei sanfte Engel führen
es dann in das Himmelslicht.
Hört nur, wie der Vater spricht:
„Du willst also wirklich sterben
und der Welt all das vererben,
was du angesammelt hast?
Deine ganze Lebenslast,
jegliche Erinnerung
fällt dann ab bei deinem Sprung
von der Erde hier herauf.
So ist nun der Dinge Lauf!“
Daraufhin spricht das Gedicht:
„Dann will ich es jetzt noch nicht!
In den Himmel hochzuspringen,
kann ja später noch gelingen!“,
atmet aus und atmet ein.
„Ich will doch noch unten zu sein!“

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