Ein behütetes Gedicht

Ein Gedicht fühlt sich behütet.
Moni hat es eingetütet
und in einen Schrank gestellt,
wo es sich nun lange hält.
Sie weiß nicht genau, warum,
denn kein Leser reißt sich d’rum.
Monis Schrank ist schon ganz voll
Sie weiß nicht mehr, was das soll.
Eingemachte Poesie
lockte Leser doch noch nie
und die konservierten Reime
finden auch in Zukunft keine
aufmerksamen Zeitgenossen,
die für sowas aufgeschlossen
oder gar begeistert wären.
Niemand wird sich darum scheren.
Darum stellt sie diesen Schrank
auf die breite Fensterbank,
lässt ihn auf die Straße gleiten,
wo die allzeit hilfsbereiten
Männer von der Müllabfuhr
jegliche Literatur
sammeln und sofort verbrennen,
ohne was davon zu kennen.
Das behütete Gedicht
wird auf diese Weise Licht,
das am Himmel, ganz von fern,
leuchtet wie ein schöner Stern.
Das haben die Leute gern.

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