Die Rede

Er stand hinter der Bühne und wartete darauf, dass man ihn
aufrufen würde. Er war sich ganz sicher, dass er den Preis
erhalten würde, auf den er die letzten sechzehn Jahre
hingearbeitet hatte.
Der Zuschauerraum war schon gefüllt und das Rednerpult
glänzte im Licht des Scheinwerfers. Er konnte den Moment
kaum erwarten und zuckte zusammen, als Eleonore ihn gegen
die Schulter stieß.
„Mach schon!“ flüsterte sie. „Du bist gleich dran und ich hoffe,
du hast dich heute besser vorbereitet als beim letzten Mal.“
„Vorbereitet?“ stammelte ich. „Was meinst du damit?“
„Du musst doch die Rede halten, die Rede für Peter, der heute
den Preis bekommt!“
Sie stieß mich durch den Vorhang nach draußen auf die Bühne.
Das Publikum applaudierte laut und lang.
Ich verbeugte mich und hatte keine Ahnung, worüber ich sprechen
sollte.
„Wir sind hier heute zusammengekommen,“ , begann ich, „um die
Person zu ehren und auszuzeichnen, die sich gerade um dieses Thema
besonders verdient gemacht hat!“
Ich suchte in meiner Erinnerung nach einem Nachnamen zu der Person,
die Eleonore vorhin Peter genannt hatte.
Aber mir fiel immer nur Peter Pan ein.
„Peter Pan bekommt eine Auszeichnung für seine besonderen Anstrengungen
bei dem Bemühen, nicht erwachsen zu werden. Der Preis ist ein 10-jähriger
Aufenthalt in einem Internat, wo ihm endlich die Leviten gelesen werden!“
Die Freunde von Peter schienen es für einen Spaß zu halten und fanden ihn
großartig. Sie stellten sich auf die Stühle und klatschten rhythmisch in die
Hände. Sogar Peter hatte vor Begeisterung rote Wangen bekommen und so gelang
es mir, mich mit ein wenig Geschick aus der Affäre zu ziehen.

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