Die Abschiedsfeier

Als die verärgerten Schwestern, die ihr ganzes Leben lang als
Köchinnen gedient hatten, in der kleinen Küche endlich beschlossen,
die vor Hunger bereits gierig gewordenen Gäste zu füttern,
zogen diese noch elegante Diagonalen durch die kniehohen Wiesen
in dem Park hinter der Villa.
Zunächst wirkten alle Gäste erfreut und posierten in vornehmer Eleganz.
Aber wie der Duft der Speisen in ihre Nasen stieg und die herrlich 
angerichteten Platten von dem festlich gekleideten Personal abgestellt
wurden, zogen sie immer enger werdende Kreise um das mit Blüten dekorierte
Buffet.
Von da an hatten sie nur noch Augen für die Köstlichkeiten auf den filigranen
Porzellanplatten und sahen einander nicht mehr an. Die, die gerade noch 
Freunde und Kollegen waren oder zur Familie gehörten, wurden nun zu
Konkurrenten im Kampf um Bratenstücke und Salat.
Die Schwestern sahen sich grinsend an, denn das den Speisen beigemischte
Pilzpulver tat seine Wirkung. Schon rissen sich die ersten Gäste gegenseitig
die Putenschnitzel aus dem Mund und schlugen sich die Schweinelendchen aus
den Händen. Im Verlauf der nächsten Stunden gab es eine wüste Schlacht mit
vielen Verletzten und zerschlagenem Porzellan.
Die rachsüchtigen Schwestern filmten alles heimlich und machten Fotos von
aufgerissenen Augen über gefletschten Zähnen, die sie auf exakt ausgewählten
Seiten ins Netz stellten.
Die Rache für die jahrzehntelange Ausbeutung und Unterdrückung durch ihre
Herrschaften war ein voller Erfolg.
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