Das Bonbon-Orakel

Dieses Gedicht ohne jeglichen Makel
ist Oslos berühmtestes Bonbon-Orakel.

Es wird von Bürgern ungeniert
bei den Problemen konsultiert,
die jedefrau und jedermann
für sich allein nicht lösen kann.

Nun steht das Gedicht
bei uns vor Gericht
und bittet um Verzeihung,
weil seine Prophezeihung
hinsichtlich des versprochenen Glücks,
voraussehbar und hinterrücks,
nicht in Erfüllung gehen konnte,
weil das Gedicht sich heimlich sonnte.

Es hatte allen Glück versprochen
und das Versprechen dann gebrochen.

Das zur Glückserfüllung benötigte Wissen
hat es gegoogelt und an sich gerissen.
Doch weil es sich dann Urlaub nahm,
versagte der geniale Plan.

Weissagungserfüllung hat es uns verweigert
und sich in Ideen hineingesteigert,
es wäre noch nie ein Orakel gewesen
und hätte auch niemals die Zukunft gelesen
sondern alles aus seinen Ärmeln geschüttelt
oder an seinen Haaren herbeigezogen.
Kurzerhand, es gestand: es war alles gelogen.

Das hat alle Bürger so aufgerüttelt,
dass sie nie wieder einem Orakel trauten
und sich ihre Meinung jetzt selber bauten,
indem sie das Googeln nun selber erlernten
und sich nie wieder von ihrem Smartphone entfernten.
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