Das Auto

Verschwörungstheorie

Anne hielt sich die Hand vor den Mund und flüsterte:
„Da kommt wieder eins.“ Ellen schaute nach links und
sah, wie das selbstfahrende Auto um die Ecke bog.
Lautlos, aber unübersehbar rot lackiert.
Es hielt am Zebrastreifen an.
Ellen und Anne rührten sich nicht.
„Ich misstraue den Dingern!“ hatte Anne vorhin im Cafe
noch behauptet. „Sie lauern uns auf.“ hatte sie etwas
undeutlich gemurmelt, mit einem Stück Aprikosentorte im Mund.
„Das bildest du dir ein!“ hatte Ellen entgegnet.
„Es sind programmierte Maschinen. Sie können nicht
denken und eigene Ziele haben sie schon gar nicht.“
Anne dachte kurz nach und machte dann mutig einen Schritt
nach vorn. In diesem Moment rollte der rote Kastenwagen los.
Anne sprang mit einem Schrei auf den Bordstein zurück.
„Siehst du!? Siehst du!? Es wollte mich töten!“ rief sie entsetzt.
Der rote Citroen hatte sofort angehalten, als Anne ihren Fuß auf
den Zebrastreifen gesetzt hatte. Er schaukelte noch etwas vom
Bremsen und wartete geduldig. Seine Sensoren erfassten jede
Bewegung, die im Umkreis von 360° und im Abstand von 5 Metern
geschah.
„Aber guck doch!“ versuchte Ellen zu beruhigen. „Es hat sofort angehalten.
Seine Bewegungsmelder funktionieren.“
Sie machte drei Schritte auf den Zebrastreifen und wieder zurück
auf den Bordstein. „Siehst du?!“ Sie wiederholte den Vorgang.
Ellen und Anne sahen sich an und überlegten eine Weile.
Der Citro BE rollte an.
Anne sprang nach vorn vor die Kühlerhaube bzw. vor das, was als Kühlerhaube
getarnt war, damit die Menschen sich nicht an neue Formen gewöhnen
mussten.
Der Wagen stoppte sofort.
„Du hast Recht! Du hast Recht, es bremst für mich!“
Anne tanzte um das Auto herum. Dann rannte sie die Straße hinunter.
Ihre Angst war unbegründet, das wusste sie jetzt.
Als sie in 5 Metern Entfernung war, startete der Citro.
Anne wendete und rannte mit ausgebreiteten Armen auf den Wagen zu.

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Posted in Kurzgeschichten.