Blut ist dicker als Wasser

Morgens trank ich Wasser aus dem Kran.
Das war herrlich erfrischend.
Ich fühlte mich wach und klar.
Als ich mittags Kartoffeln schälte
und der Geruch der Stärke in meine Nase stieg,
schnitt ich mir in den Finger.
Das Blut tropfte hinab
auf die braunen Schalen der Kartoffeln.
Es bahnte sich seinen Weg
über den Tisch
zwischen den weißen Kartoffeln hindurch
und floß in den Ausguss,
wo es sich mit Wasser vermischte.
Erde zu Erde
und Wasser zu Wasser.
Wenn es zu dünn ist,
dann macht es mich blasser.
Was hat Gott sich dabei gedacht,
als er das Blut so dick gemacht?
Jetzt trinke ich noch einen Schluck
vom klaren, kühlen Wasser.
Gluck.Gluck.Gluck.

Die kranke Erde fühlt sich alt

Die kranke Erde fühlt sich alt.
Sie fiebert.
Trotzdem ist ihr kalt.
Sie fühlt die Menschheit auf sich sitzen
und das Gewicht bringt sie ins Schwitzen.
Einst war sie als Planet gedacht,
auf dem das Leben Freude macht.
Doch als der Mensch das Feuer fand,
eroberte er Land um Land.
Wo vorher nichts war als Natur,
verursachte er eine Spur,
die Zeugnis gab von: "Ich bin hier!"
Doch fehlte diesem Ich das Wir.
"Mein Ich zuerst!" zerstört das Leben,
das uns die Erde anvertraute.
Sie hat sich an uns hingegeben.
Als sie achtsam von Innen schaute
und auf das sah, was wir erschufen,
hörten wir nicht ihr leises Rufen.
Sie spricht zu uns und will erreichen,
dass alle Menschen dies erkennen:
"Ein jeder Mensch ist meinesgleichen!"
um sich zum Mensch-Sein zu bekennen.
Wir waren früher dumme Affen.
Doch heute könnten wir es schaffen
die Welt ganz neu und frisch zu bauen.
Indem wir aufeinander schauen,
die Wesen liebevoll betrachten
anstatt auf den Profit zu achten,
stärken wir ihre Schöpferkraft,
mit der die Erde alles schafft,
denn diese Krise macht nur Sinn,
wenn radikaler Neubeginn
uns Lebewesen alle eint.
Gemeinschaftlich sind wir gemeint.
 

Gewichtige Worte

Worte machen uns schläfrig.
Darum nehmen wir Bücher 
mit ins Bett.
In einem Buch 
trampelt eine Herde Elefanten 
durch die Wüste
und bringt das Gleichgewicht 
der Erde durcheinander.

Neigt ein Elefant den Kopf
dann zittern wir,
weil die Welt zu schaukeln beginnt.

In einem anderen Buch
schwimmt ein Wal, 
größer als ein Elefant,
durch das stürmische Meer.

Wenn er mit dem Schwanz schlägt,
taumelt die Welt 
und wir halten uns fest
an der Bettdecke,
damit wir nicht schwanken.

Eingetaucht in die Welt der Bilder,
versinken wir 
in der Schwere des Schlafes.

Die Welt entstand durch einen Knall, Teil 2





































Die Welt entstand durch einen Knall.
Sie ist nur Schall und Rauch.
Und als der Rauch verzogen war,
kroch sie aus ihrem Bauch.
In diesem All, das expandiert
und sich dann in sich selbst verliert,
hat sie sich zwar geboren,
aber danach verloren.
Dann gab es nochmal einen Knall
und sie verschwand schon wieder
in ihrem Mieder.

Das Fremde






































Das Fremde ist oft um mich rum.
Anstatt zu reden, bleibt es stumm.
Ich schaue zwar in sein Gesicht,
doch was es denkt, das weiß ich nicht.
Vom Fremden fühl ich mich bedroht.
Es kam hierher aus großer Not,
bleibt nicht weit weg und unbekannt
in einem weit entfernten Land.
Fremd ist ja nur, was man nicht kennt.
Was man nicht kennt, bleibt einem fremd.
Vielleicht reiche ich ihm die Hand
und werde so mit ihm bekannt.
Doch auch das Fremde muss versteh'n
und mich mit meinen Ängsten seh'n.

In Omas Küche






































Der dicke Ofen in Omas Küche.
Holz und Papier 
knistern in seinem Bauch.
Die Kohlen glühen
in flackernden Flammen.
Und meine Wangen glühen auch.
Die Hitze glüht auf meinen Wangen,
auf die die kleinen Flammen sprangen.
Der Ofen stand links in der Ecke.
Das Essen, das ich heut noch schmecke,
gab Oma mir mit eig'ner Hand.
Sie schöpfte Klöße auf den Teller,
mit Soße und mit Apfelmus,
die ich gierig verschlang und schneller,
damit ich sie nicht teilen muss.
Und wie ein Baum mit jedem Jahr
'nen Jahresring hinzugewinnt,
wurde die Taille immer breiter
und ich war bald ein dickes Kind.
So dick wie einst der Ofen war.
Doch das ist her schon viele Jahr.

 

Am Ankerplatz





































Ich habe Anker in den Grund geschlagen,
damit mein kleines Schiff sich nicht bewegt.
Ich wollte mich in Sicherheiten wiegen
und habe meinen Kutter lahmgelegt.
Jetzt bin ich an dem Ankerplatz verrostet.
Ein Preis, den eine Sicherheit wohl kostet.
Ich würde meine Anker gerne lösen
und mich vom Strom des Wassers treiben lassen.
Vertrauensvoll in Wind und Sonne dösen
wird sich wohl nicht so einfach lernen lassen.
Ich würde es trotzdem sehr gern versuchen.
Wenn ich ertrinke,
werdet ihr mich suchen?

Tag für Tag






































montags - 
spring ich hastig aus dem Bette
renne mit dem Zeiger um die Wette
muss mich hetzen und sogar beeilen
darf nicht länger ruhen und verweilen

dienstags -
fahr ich mit dem Zug nach D.
damit ich die anderen dort seh
ich seh sie, doch sehen sie auch mich?
manchmal lassen sie mich auch im stich

mittwochs -
geh ich stets im sitzen tanzen
die Musik befindet sich im Ranzen
von dort hüpft sie lustig aufs Parkett
und dann tanzen wir am Platz so richtig nett

donnerstags -
muss ich im Durchzug stehen
wo der Wind weht kann man mich dann sehen
muss die Leute dort zum Schwingen bringen
schweigend nur, denn noch darf man nicht singen

freitags -
muss ich viele Meilen gehen
um die Gruppe auf dem Land zu sehen
mit den Rollatoren und auf Stöcken
wehen sie herbei zu mir in Röcken

samstags -
kauf ich mit der Maske ein
denn mein Bauch will auch gefüllet sein
Speis und Trank erhalten mich am Leben
darum kann ich weiter Stunden geben

sonntags -
darf ich auf dem Sofa ruhen
noch im Mantel und sogar in Schuhen
denn der nächste Montag kommt bestimmt
der mich wieder in die Mangel nimmt