Die Rose will bewundert sein

Bewunderung.
Danach hungert die Rose.
Sie merkt dabei in ihrer Eitelkeit nicht,
dass sie zwar sehr schön ist,
aber auch sticht.
Wer mag dieser Rose Erkenntniskraft schenken
und hilft ihr dabei, sehr genau zu bedenken,
dass die Schönheit vielleicht
alleine nicht reicht.
Sie wird zum Verhängnis 
und bringt in Bedrängnis,
denn wenn diese Rose sich mal zärtlich zeigt
und sich voller Sehnsucht dem nächsten zuneigt,
dann werden die spitzigen Dornen ihn stechen
und er glaubt bestimmt nicht mehr an das Versprechen,
das sie mit ihren Düften gibt,
damit man sie von Herzen liebt.
Von süßen Düften angelockt,
ist er von jedem Dorn geschockt
und er vergisst,
wie schön sie ist,
und weiss, dass er sie nicht vermisst,
wenn er erstmal geflohen ist.



.Sie
Sie wird zum Verhängnis

Schlummerchen

Mein Schlummer hat mir wilde Bilder erdacht.
Ich sah sie und dann bin ich aufgewacht,
um sie einzufangen und aufzuhängen.
Doch sie ließen sich nicht 
in mein Zimmerchen zwängen.
So sah ich die Bilder im Winde verweh'n
und blieb ganz alleine im Traumwalde steh'n.
Mein Meister rief mich und ich ging,
wobei ich mich im Mohn verfing,
dann ganz berauscht im Mohn versank
und in dem roten Mohn ertrank.
Die Glockenblumen läuten laut.
Mein Meister hat nach mir geschaut
und schüttelte den kahlen Kopf.
"Dein Vers ist nur ein  alter Zopf!"
Da weinte ich ihm Tränen bitter.
Er sperrte mich hier hinter Gitter,
wo mir bestimmt ist, einzugeh'n,
anstatt zu blüh'n im Weltenweh'n.

Prima Klima

PRIMA KLIMA
Die Wissenschaftler hatten uns davor gewarnt, dass das Klima sich 
verändern würde. Die einen ignorierten die Warnungen und die anderen 
verfielen in überstürzte Aktivitäten, die leider nicht den erhofften 
Erfolg zeigten. Darum leben wir nun in einer heiß gewordenen Welt, 
die keinesfalls so schrecklich ist, wie sie uns von den Klimaforschern 
geschildert wurde. Die Pole sind geschmolzen und es gibt nun kein Eis 
mehr, außer in den Eisdielen, die einen enormen wirtschaftlichen 
Aufschwung verzeichnen konnten. Der Meeresspiegel ist durch das zu 
Wasser gewordene Eis angestiegen und es gibt nun an allen Stränden genug 
Badewasser für alle Gäste. Das Wasser ist herrlich warm, weil die Ozeane 
sich aufgeheizt haben. Man hat das Gefühl, in der Badewanne zu liegen, 
wenn man im Meer schwimmt. Da viel Landmasse verschwunden ist, sind die 
Menschen gezwungen, sich das übrig gebliebene Land zu teilen. Das war 
zunächst schwierig, weil die Menschen früherer Generationen zu Egoisten 
erzogen worden waren, deren Verhalten von politischen Vorbildern geprägt 
und durch eine eigentümliche Selfie-Kultur in ihrer Egozentrik verstärkt 
wurde. Es gab eine Zeit, in der die Menschen nur noch mit Kopfhörern auf 
den Ohren herumliefen und den Blick auf das Display ihres digitalen 
Begleiters gesenkt hatten, ohne zu bemerken, was in der Welt um sie herum 
geschah. Aber die zunehmende Hitze hat die Menschen lethargisch gemacht 
und so wurden sie friedlicher. Kluge Ingenieure entwickelten Häuser, die 
auf dem Meer treiben können und Fahrräder, die über das Wasser gleiten. 
Die Hitze einerseits und das nun im Übermaß vorhandene Wasser veränderte 
den Charakter der Menschen, die nun einfach viel stärker im FLOW verankert 
sind und das Leben wieder viel mehr genießen, anstatt arbeitssüchtig von 
einer Aufgabe zur nächsten zu hetzen. Grönland ist wie in früheren Zeiten 
wieder Grünland. Die Menschen haben gelernt, dass sie nur überleben können, 
wenn sie, anstatt gegeneinander in Konkurrenz zu handeln, kooperieren müssen, 
und zwar nicht nur miteinander, sondern auch mit den Drohnen, die über die 
Landstriche, Küsten und Ozeanflächen kreisen. 
Sie filmen alles, was geschieht und leiten es an ein Netzwerk von Computern 
weiter, die eine künstliche Intelligenz von globalem Ausmaß geschaffen haben. 
Die Menschen nennen sie GOTT.
*


Faule Gedichte

Statt über die faulen
Gedichte zu maulen,
kann man sich gezielt 
über Verse empören,
die mit ihrem Fleiß
diese Erde zerstören.
Anstatt den Planeten 
so grausam zu häuten,
ihn zu unterwerfen
und dann auszubeuten,
muss man jene Verse
beschränken und dämpfen,
die habgierig diesen
Planeten bekämpfen
und stolz sein
auf jene,
die Schönes erschaffen,
um es dann gemütlich 
und faul zu begaffen.
Es sind nicht die Faulen, die Leben zerstören.
Das wird alle Fleißigen sicher empören.
Das Schönste aber an dieser Geschichte:
Es sind nur Gedichte!
*

Ein Gedicht liebt es zu gähnen

Ein Gedicht liebt es zu gähnen.
Soll es sich denn dafür schämen,
dass es immer müde ist
und das Arbeiten vergisst?
Müßiggang ist gar kein Laster.
Arbeitet der Mensch, verpasst er
in dem Leben das Vergnügen.
Anstatt hier in vollen Zügen
dieses Leben zu genießen,
wird die Arbeit ihn verdrießen.
Sie lässt ihn verdrießlich werden.
Statt in dieser Zeit auf Erden
an dem Busen der Natur
sich genüßlich satt zu trinken,
ruiniert er Wald und Flur.
Statt ins Leben einzusinken,
aufzublühen, einzutauchen,
lernt er, die Natur zu schlauchen,
auszubeuten, zu vergiften
und in Träume abzudriften,
die Computer ihm vergaukeln
und ihn immer höher schaukeln
in die virtuelle Welt,
die den Blick auf das verstellt,
was Mutter Natur ihm bot.
Die ist leider fast schon tot.
Lasst Gedichte lieber gähnen
anstatt sich für sie schämen.
Macht aus Menschen Müßiggänger,
dann lebt auch die Erde länger.

Ein Gedicht möchte verduften

Ein Gedicht möchte verduften,
um nicht mehr für mich zu schuften.
Dieser unverschämte Racker
macht sich selbstbewusst vom Acker.
Um sich aus dem Staub zu machen,
packt es seine Siebensachen
und macht dann gekonnt die Fliege,
damit ich es nicht mehr kriege.
Wenn es jetzt die Kurve kratzt,
bin ich gnadenlos verratzt.
Ich brauch Zeit, um zu verdauen,
dass es wirklich abgehauen
ist und will dann sein Verschwinden
weinend aller Welt verkünden. 
*