Ein stibitzendes Gedicht

Dieses Gedicht 
ist gewitzt im Stibitzen.
Doch trotzdem muss es 
beim Stibitzen oft Schwitzen.
Es hat zwar beim Stehlen 
enormes Geschick.
Doch sitzt ihm beim Stehlen 
die Angst im Genick.
Trotz all seiner Scham
ist es kleptoman, 
vergreift sich an Dingen 
in Hütte und Haus 
und stiehlt alles Schöne 
auf Teufel komm raus. 
Es plündert 
die Handtaschen wildfremder Damen, 
erbeutet Geldbörsen 
von Herrn mit Examen 
und sackt alles ein. 
Es ist so gemein. 
Es schafft jedes Lange 
sowie alles Breite 
durch seine Raubzüge 
gekonnt auf die Seite. 
Sein Haus ist schon voll 
und platzt aus allen Nähten. 
Es ahnt nicht, 
dass längst schon Spione erspähten, 
was es hier seit Jahren 
im Keller gehortet. 
Sie haben die Schätze 
vorsorglich geortet 
und werden bald kommen. 
Dann wird ihm genommen, 
was es in Jahrzehnten 
den Menschen geklaut. 
Man packt sein Schlafittchen 
und steckt es ins Kittchen. 
Dort weint es dann laut. 

 

Ein Gedicht macht Geräusche

Wenn ich mich nicht furchtbar täusche,
macht dieses Gedicht Geräusche,
schmeißt mit Euro und mit Rubel
und sorgt so für großen Trubel.
Es schlägt gegen Eisentore
und macht dadurch viel Furore.
Nachts macht es am liebsten Krach
und hält mich so lange wach.
Durch Rumoren im Gedärm
macht es jede Menge Lärm.
Es macht immerzu Radau.
Sicher weiß es ganz genau,
dass mir der Klamauk nicht passt.
Jeder Krach ist mir verhasst.

Jetzt mach ich mir einen Knebel
und press ihn mit einem Hebel
dem Gedicht in seinen Schnabel.
Aus ist das Gedichte-Babel.
Es kann nur noch leise summen
und muss ungehört verstummen.

Endlich herrscht hier wieder Ruhe,
in der ich entspannt nichts tue.
Es gibt nicht einmal ein Niesen.
Diese Stille sei gepriesen.

Ich wünsch mir, dass es Frieden gibt

Ich wünsch mir, dass es Frieden gibt.
Es muss nicht sein, dass man sich liebt,
doch hoffe ich, dass jedermann
auf Erden friedlich leben kann.
Dazu muss man gar nicht gescheit sein.
Vielleicht genügt schon das Bereitsein,
sich aufrichtig ein Herz zu fassen,
um jeden so leben zu lassen,
wie er es selbst für richtig hält.
Dann wär mehr Frieden in der Welt.

Ein Gedicht verlor den Faden

Ein Gedicht verlor den Faden
und nahm dadurch großen Schaden.
Weil der Teppich, den es webte,
nicht, wie vorgesehen, schwebte,
ist der Teppich abgeschmiert.
Das Gedicht war schwer blamiert.
Darüber war man sich einig:
"Dies Gedicht ist fadenscheinig!"

 

 

Lob der Gymnastik-2

Deine Füße berühren den Boden.
Du wirbelst herum.
Dein Bein schwingt durch die Luft.
Du erhebst dich und wirst ganz leicht.
Die Musik trägt dich durch den Raum,
erfüllt dich,
lässt die Grenzen zerfließen
zwischen dem inneren Raum
und dem äußeren Raum.
Du atmest.
Dein Herz pulsiert.
Du lebst.
Springst weit. Drehst dich um dich selbst.
Hältst deine Augen immer wieder an dem Punkt des Augenblicks.
Breitest die Arme aus. Streckst dich. Lässt die Bewegung fließen.
Stampfst auf den Boden. Ziehst dich zusammen.
Rollst durch den Raum.
Hüpfst von einer Ecke in die andere. Hüpfst vom Boden an die Decke.
Springst und lachst.
Bist der sprungbereiteste Tanzball auf der ganzen Erde.
Was heißt Erde....
Der sprungbereiteste Tanzball im ganzen Planetensystem.
*

Lob der Gymnastik-1

Du erwachst erfrischt nach belebendem Regen.
Die Sonne scheint hell.
Du willst dich bewegen,
greifst Reifen, greifst Ringe,
wagst zaghafte Sprünge,
formst weich und elastisch den großen Bogen
und kommst unerwartet angeflogen,
um aufmerksam vor der Gruppe zu stehen.

Du räkelst die griffbereiten Zehen,
spannst alle Seile mit Fingerspitzen
und lässt die Gruppe nach vorne flitzen,
wo alle, egal, ob Hosen, ob Röcke
Luftsprünge wagen auf eckige Böcke.
Sie gleiten an Seilen hinauf und herunter.
und werden so munter.

Prelle alle Bälle in die helle Halle
und dann sorge dafür, dass sie alle
einen Handstand machen auf dem braunen Kasten
und begeistert ihre straffen Muskeln tasten.
Ihre hochbeweglichen Gelenke
sind die nun gewonnenen Geschenke,
denn die ganze Mühe macht nur Sinn,
hat man dann am Ende den Gewinn,
sich erfrischt ins Leben zu begeben
und den Körper klarer zu erleben,
um mit den nun aufgeweckten Sinnen
Kraft für dieses Leben zu gewinnen.
*

Man kann Gedichte nicht erfinden

Man kann Gedichte nicht erfinden.
Vielleicht, getragen von dem Wind,
können wir sie in Blüten finden,
worin sie sanft gelandet sind.
Nur lauschend schauen, 
spürend sinnen
und aufmerksam 
rein gar nichts wollen,
dann sieht man sie 
wie Bächlein rinnen,
die tropfen, 
was wir schreiben sollen.
Man kann Gedichte nicht erzwingen,
denn zwanghaft wäre sonst ihr Singen

Gedichte aus Eisen

Herr Fridolin schmiedet Gedichte aus Eisen,
die stets auf die Härte des Lebens verweisen.
Ein jeglicher Leser, der neugierig kostet,
erfährt dadurch, dass auch sein Leben einst rostet.
Denn nichts hat Bestand in der flüchtigen Welt.
Für diese Gedichte bekommt er sein Geld.
Sie hängen hell leuchtend an Fläche und Wand,
die Botschaft verbreitend in unserem Land,
dass nur, wer sein Leben zufrieden gelebt,
sich später gelassen zum Himmel erhebt,
um wie altes Eisen dahin zu verreisen,
woher er gekommen.
Und nicht nur die Frommen
werden durch Krisen im Leben geschmiedet
und durch die Probleme gekocht und gesiedet,
damit sie am Ende 
die friedlichen Hände
des Engels ergreifen.
Zu Leben heißt Reifen.
Darum sei Herr Frido vor allem gepriesen,
weil er durch sein Werk auf den Tod hingewiesen.

Ein Gedicht will sich entspannen

Ein Gedicht übt: "zu verweilen"
und lässt seine Seele baumeln.
Es will sich nicht mehr beeilen, 
nicht gehetzt durchs Leben taumeln.
Darum will es sich entkrampfen 
und gezielt die Muskeln lockern. 
Dies geschieht zunächst durch Stampfen, 
um danach auf harten Hockern 
seinen Leib aufmerksam zu fühlen. 
Erst auf Hockern, dann auf Stühlen, 
muss es klar und wach verharren 
und auf eine Kerze starren. 
Bald bemerkt es das Ergebnis 
seines redlichen Verharrens 
und hat folgendes Erlebnis: 
Als Erfolg des Kerzenstarrens 
ist es vollkommen entspannt. 
Doch Entspannung ist riskant. 
Alle Muskeln sind jetzt locker. 
Das Gedicht fällt stumm vom Hocker 
und kann sich dann nicht mehr rühren. 
Es kann sich jetzt nur noch spüren.

Delikatessen

Alles, was ich gerne esse,
nenne ich Delikatesse.
Sie wird die Delikatasse,
wenn ich sie mit Händen fasse.
Falls ich sie ganz arg vermisse,
fehlt mir die Delikatisse.
Bin ich ihrer überdrüssig
und mir darum nicht mehr schlüssig,
ob ich sie noch kosten musse,
schimpf ich sie:"Delikatusse!"
Aber als Delikatosse
wird sie wieder mein Genosse,
und ich ruf voll Interesse:
"Her mit der Delikatesse!"
*