Moni Meloni liebt Musiker Toni


Immer in der Morgenröte
spielt sie die Kamelhaarflöte,
Moni sitzt allein am Fluss,
träumt von Toni's zartem Kuss.

Man hört Moni einsam singen
und wünscht ihr, es mag gelingen,
dass sich Lippen heiß berühren
und sich gegenseitig spüren.

Jeder gibt ihr seinen Segen,
aber etwas spricht dagegen.

Denn Toni ist sicher so schön wie ein Gott,
doch macht er Musik auf dem Stinktierfagott,
und Moni mag diesen Geschmack gar nicht leiden.
Drum lassen die beiden das Küssen wohl bleiben.

Moni Meloni trägt große Pistolen


Moni Meloni trägt große Pistolen.
Dort vorn ist der Feind und sie will sich ihn holen.
Von Hochhaus zu Hochhaus springt sie endlos weit.
Sie jagt ihn und auch ihr Gewehr ist bereit.
Es hängt auf dem Rücken.
Sie muss sich nicht bücken,
um nach ihm zu greifen.
Der Feind springt auf Reifen
und schleudert sich hoch wie im Spiel Jump and Run.
Auch Moni springt trampolinmäßig und kann
auf dem Rücken des Feindes ganz zielgenau landen.
Der Feind streckt die Arme. Er hat wohl verstanden,
und Moni hat ihre Agenda erreicht.
Sie lüftet die Maske.
Der Fremde erbleicht.

Einfach so drauflos!

Einfach drauflos!

Einfach so drauflos zu schreiben?

Nein, dann lass ich’s lieber bleiben!

Obwohl, wenn ich es versuche,

schlägt auch der Versuch zu Buche

und es könnte schließlich sein,

mir fällt doch noch etwas ein.

Jeder Spruch kommt auf den Tisch.

Da bin ich nicht wählerisch.

Schließlich brauche ich das Geld.

Was mir in die Hände fällt,

wird gewendet und gedreht,

bis was auf der Seite steht.

Schaut, nun hab‘ ich es geschafft

und es wäre doch gelacht,

würde es mir nicht gelingen,

euch auch morgen was zu bringen,

was euch ablenkt und zerstreut

und dabei den Geist erfreut.

Monsieur Töff Töff ist ein Rassist


Monsieur Töff Töff ist ein Rassist.
Begegnet ihm ein schwarzer Mann,
fängt Töff vor Angst das Zittern an,
denn man hat ihn schon oft belehrt,
dass Furcht zu haben richtig ist.
Töff denkt sich selbst: "Das ist verkehrt!"

Deshalb ist er darum bemüht,
dass niemand seine Ängste sieht.
Aber man merkt an seinem Blick
das nicht konforme Missgeschick.

Er quält sich viele Tage lang
damit und ihm wird angst und bang.
Doch schließlich löst er sehr geschickt
den ihn bedrängenden Konflikt.
Er ist zwar nicht davon erbaut,
doch trotzdem färbt er seine Haut
und reibt sich ein von Kopf bis Fuß
mit Pulver aus dem Fass voll Ruß.
Schwarz läuft er jetzt durch diese Welt
und spürt, wofür die Welt ihn hält.
Nicht weiß wie andere zu sein,
diskriminiert. Er ist allein.

Als Pipo ihm die Schulter klopft
ist Ruß aus Töff herausgetropft.
Als Pipo ruft:" Jetzt aber Schluß!
Du bist ja schwarz und voll mit Ruß!",
schimpft Töff:" Jetzt weiß ich, was du bist!
Ein unbelehrbarer Rußist!"

Corona-Gedicht


Hat viel Schaden angerichtet,
obwohl Seife es vernichtet.
Dringt durch Nasenlöcher ein.
Mundschutz ohne Nase? Nein!
Wäscheklammer würde geh'n.
Risiko: blöd auszuseh'n!
Ändert das Programm der Zellen,
um dort Viren herzustellen,
denn es will, in allen Ehren,
sich ja bitte bloß vermehren.
Zieht befreit von Haus zu Haus,
breitet sich so weiter aus.
Es ist ja dazu gemacht,
dass es mehr wird, bis es kracht.
Ob das Glück sich für uns wendet?
Gut, dass das Gedicht jetzt endet.

Das Schauspielhaus hinter den Buchen


Die runde, geschwungene weiße Fassade
ist traurig und findet es unendlich schade,
dass sie jetzt im Schatten der Hainbuchen liegt
und man sie nun kaum noch zu sehen kriegt.

Der Platz war früher breit und leer.
Nun ist kein Platz für gar nichts mehr.
Was offen war, wird zugebaut,
und alles, was einmal vertraut
und Heimat war,
verschwindet hinter einer Wand,
die der Herr Architekt erfand.

Ein Tal liegt vor dem Schauspielhaus.
Ein Jammertal mit Werbefläche.
Daran erkennt man seine Schwäche,
denn das Gebäude hat kein Herz.
Es dient ganz offen dem Kommerz.

Die findigen Touristen raunen:
"Was gibt es hier denn zu bestaunen?
Was sollen Bäume auf dem Bau?"

Darauf erwidern Planer schlau:
"Das Dach soll unser Klima schützen!"

Doch wird der Bau den Bürgern nützen?

Der dicke Klotz aus Stahl und Stein
schlägt tief wie eine Bombe ein.
Durch Architekten und Sponsoren
ging uns das Schauspielhaus verloren. 
Hinter den aufgebahrten Buchen  
muss man die schöne Kunst nun suchen.


Der Winter steht vor der Tür


Der Winter steht vor der Tür.
In der Dunkelheit streckt er die Arme aus.
Väterchen Frost
will nach mir greifen
und sich erwärmen an meinem Körper
und an meinem Blut.
Doch ich denke
an die Glockenblumen im Mai,
diese Blumen für das Ohr,
die inwendig in mir erklingen
und mein Herz erfreuen
mit ihrem zarten Duft,
den man kaum riechen kann.
Die Fantasie spendet mir Trost.
Hoffnung entsteht
durch Erinnerungen 
die in meinem Geist gespeichert sind.
Mein Speicherbewusstsein,
die innere Quelle der Zukunft, 
will ich befüllen 
mit Bildern der Freude 
und Gedanken voll Kraft. 

Geschichtenerzähler


Eine Wand,
die aus Scherben zerbrochener Flaschen
errichtet wurde.
Buntes Glas in damals noch weichem Zement.
Darin spiegelt sich nun die Welt.
Rote, gelbe, grüne und blaue Splitter
ragen heraus
aus der hart und grau gewordenen Mauer.
Ich sehe die Menschen,
die aus all diesen Flaschen tranken:
Wasser,
Saft, 
Schnaps, 
roten und weißen Wein,
braunes Bier,
dessen Schaum die Münder füllte.
Feiern, auf denen getanzt wurde,
bevor die Flaschen zerbrachen
und jemand auf die eine Scherbe trat,
die da,
die mit dem roten Fleck.
Wer Augen hat zu sehen,
hört die Geschichten,
die uns die Dinge erzählen.

Das Haus zerfällt


Vertrocknete Spinnen,
zu viele, um sie zu zählen,
hängen hinter den abgerissenen Tapeten.
Sie haben ihr Leben gelebt.
Der bröckelnde Gips
fällt auf den faulenden Teppich,
der sich blaugrau über den Boden zieht.
Zerrissene Vorhänge vermodern
an verrottenden Fenstern,
an deren zersplitternden Scheiben
Regenwasser herabfließt
und am Ende des durchlöcherten Rahmens
auf den Boden tropft.
Das Geräusch der Tropfen 
pulsiert mein Trommelfell,
das mit den Tropfen zu schwingen beginnt.
Es fängt an zu flattern
wie ein Bettuch,
das im Wind auf der Leine hängt.
Ein Beben geht durch das verfallende Haus.
Die Geister der Vergangenheit
nähern sich mit kraftvollen Schritten.
Ihr Stampfen weckt mich auf.
Ihr Schritte 
kann ich wie Trommelschläge
in meinen Knochen spüren.
Ich fürchte mich nicht.
Während das Haus meines Körpers zerfällt,
schaue ich ihnen
furchtlos in das Gesicht.

Small Potatoes


Was ich hier täglich mache
ist eine kleine Sache.
Mit wirklich großen Dichtern
kann ich mich ja nicht messen.
Dazu bin ich zu schüchtern.
Man wird mich bald vergessen.
Ich schreibe trotzdem weiter
an Versen und Geschichten,
denn Schreiben macht mich heiter.
Davon will ich berichten.
Es sind nur ganz kleine Kartoffeln,
die auf diese Weise entsteh'n.
Ich tanze in Holzpantoffeln
und wackel dabei mit den Zeh'n.